Warum BalaneDisk nichts löscht
Ein Aufräumer, der ungefragt Ordner leert, verlangt Vertrauen für Daten, die er nicht versteht. Wir haben uns für den umgekehrten Weg entschieden — messen, erklären, den Hebel weiterreichen.

Die erste Entscheidung in diesem Projekt war eine Verzichtserklärung: BalaneDisk bekommt keinen Löschen-Knopf. Kein „Alles bereinigen“, kein Fortschrittsbalken, an dessen Ende 32 GB verschwunden sind. Das klingt nach fehlender Funktion. Es ist die Funktion.
Was ein Werkzeug über einen Ordner wirklich weiß
Ein Verzeichnis zu vermessen ist einfach. du läuft durch und meldet eine Zahl. Was du nie sagen kann: wie viel von dieser Zahl gefahrlos zurückkommt. Ein 14 GB großer Cache kann in fünf Minuten neu aufgebaut sein — oder die einzige Kopie einer Datenbank enthalten, die jemand vor zwei Jahren von Hand angelegt hat.
Der Unterschied steht nicht im Dateisystem. Er steht im Werkzeug, dem der Ordner gehört.
Deshalb fragt BalaneDisk das Werkzeug, statt den Ordner zu vermessen:
docker system df -vDocker antwortet mit vier getrennten Konten — Images, Container, lokale Volumes, Build-Cache — und sagt selbst, was davon zurückholbar ist. Diese Antwort ist mehr wert als jede Schätzung von außen.
Der Unterschied, den ein Flag macht
Aus derselben Antwort folgt die zweite Regel: nie den pauschalen Befehl vorschlagen.
| Befehl | Was er wirklich tut |
|---|---|
docker system prune | räumt auf, was ohnehin verwaist ist |
docker system prune -a | entfernt zusätzlich die Images gestoppter Container |
docker volume prune | löscht anonyme Volumes |
docker volume prune -a | löscht auch die von Hand benannten — also meistens Daten |
Ein einziges Flag trennt Aufräumen von Datenverlust. Eine App, die diesen Unterschied unter einem Knopf namens „Bereinigen“ versteckt, hat die Entscheidung getroffen, die dem Menschen davor gehört. BalaneDisk zeigt beide Befehle gestaffelt und benennt, was jeder von beiden mitnimmt.
Wo wir bewusst nicht raten
Docker unterscheidet nicht zwischen einem Image, das aus einer Registry kam, und einem, das hier gebaut wurde. Das eine ist ein Download, das andere unter Umständen Arbeit von einem halben Tag. Weil das Werkzeug es nicht weiß, tut die Anzeige auch nicht so: der Fund heißt dann „vorher hinsehen“ statt „gefahrlos“.
Das ist unbequem. Eine Gewissheit zu behaupten, die es nicht gibt, wäre bequemer — und genau die Art Zuversicht, für die Aufräum-Programme ihren Ruf haben.
Der einzige Knopf, der etwas bewegt
Es gibt eine Ausnahme, und sie ist absichtlich klein: die Reste entfernter Programme lassen sich in den Papierkorb bewegen. Nicht löschen — bewegen. Der Papierkorb ist die eine Rückgängig-Funktion, die jeder Mensch am Rechner bereits kennt und der er traut, und die Aktion wird von Hand ausgelöst, pro Gruppe, nach einer Ansage, was in dieser Gruppe steckt.
Was daraus für die Haftung folgt
Diese Position ist nicht nur redaktionell. Ein Programm, das nichts löscht, kann nichts Falsches löschen. Ein Fehlurteil in unserer Zuordnung kostet dich einen Blick — nicht deine Daten. Das erlaubt uns, aggressiver zu suchen und ehrlicher zu berichten: wir dürfen einen Fund zeigen, bei dem wir uns zu 70 % sicher sind, weil die Folge des Irrtums ein hochgezogener Augenbrauenbogen ist und kein Ticket im Support.
Ein Aufräumer, der löscht, muss konservativ suchen. Ein Instrument, das misst, darf neugierig sein. Wir haben uns für das Instrument entschieden.
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- Wie räume ich auf, wenn die App selbst nichts löscht?
- Über den Weg, den der Fund mitbringt: entweder den Befehl des zuständigen Werkzeugs (etwa `docker builder prune` oder `brew cleanup`) im Terminal, oder den Ordner, den die App im Finder öffnet. Datenleichen wandern per Knopf in den Papierkorb — also dorthin, wo du sie zurückholen kannst.
- Sind Cleaner-Programme gefährlich?
- Gefährlich ist nicht das Löschen, sondern das Löschen ohne Kenntnis des Inhalts. Ein Werkzeug, das einen 40-GB-Ordner als „Cache“ einordnet, obwohl darin benannte Docker-Volumes liegen, trifft eine Entscheidung, die es nicht treffen kann.
- Was passiert, wenn BalaneDisk eine Datei falsch zuordnet?
- Nichts. Ein Fehlurteil kostet dich einen Blick, keine Daten — genau deshalb dürfen wir Funde zeigen, bei denen wir uns nicht vollständig sicher sind, und sie als „vorher hinsehen“ kennzeichnen.